Sehnsucht nach einer Erdmann Funkstreifenjacke

Die Geschichte einer ERDMANN-Funkstreifenjacke, erzählt von dem Polizeibeamten, der 25 Jahre lang täglich mit ihr im Dienst unterwegs war….sie ist immer noch topfit.

Wie alles begann – oder Die Sehnsucht nach einer Funkstreifenjacke Schon kurz nach meinem Dienstanfang bei der PI 12 in München Haidhausen, wurde mir klar – früher war alles besser (dies ist im übrigen bei vielen Polizisten auch heute noch so) Am 21 . Februar 1979 war die Stadtpolizei München schon jahrelang Geschichte. Aber in den Augen und im Gefühlsleben der älteren Kollegen lebte diese Zeit weiter. Sie schwärmten in höchsten Tönen von ihrer Zeit bei der Funkstreife. Ein besonderes Merkmal war nicht nur der Funkstreifenwagen BMW 501 (auch genannt „Barockengel“, zu sehen auch in der bekannten Fernsehserie „ISAR 12“ aus den 60er Jahren), sondern das Kleidungsstück, das einen Polizisten zum Funkstreifler macht… Die Lederjacke – die kurze Funkstreifenjacke von ERDMANN-Lederbekleidung natürlich… Es war eine Zeit, in der das Wort eines Schandis etwas galt….und wenn die Funkstreife zum Ort des Geschehens kam – dann war Schluß mit lustig. Ich trug zu jener Zeit meine lange, zweireihig geknöpfte Lederjacke ( wie sie auch in der Fernsehserie „München 7 zu sehen ist), bei uns auch „Mantel“ genannt. Gut, aber eben keine Funkstreifenjacke. Anfang der 80er Jahre wurde ich Zivilstreifenbeamter…deshalb war die Uniform für die nächsten 10 Jahre passe. 1992 wechselte ich wieder zurück in den uniformierten Streifendienst. Aus der alten, zweireihigen Lederjacke war ich rausgewachsen…also brauchte ich eine neue, aber wenn schon „neue, alte Funkstreifenjacke kurze Form“ . Und es mußte eine ERDMANN-Jacke sein. Die hatten diese Jacke Ende der 50er Jahre für die Besatzungen der Funkstreifenwagen zusammen mit dem späteren Münchner Polizeipräsidenten Schreiber entwickelt. Damals war der Münchener Laden von ERDMANN-Lederbekleidung noch in der Rosenheimer Str.6 Ein kleiner Laden, über und über mit Lederjacken. Beim Betreten des Ladens roch es herrlich nach Leder….Hinter dem Verkaufstresen stand damals Bernd Rönau. Bernd, hager, hanseatisch, verkaufte dort die Funkstreifenjacken kurze Form….700.- DM , ein stolzer Preis. Diese Funkstreifenjacke begleitete mich bis zu meiner Pensionierung im Dezember 2018….also 26 Jahre lang. Zum Dienstbeginn gehörten bestimmte Rituale. Nachdem die Uniform angezogen , die Pistole, Reservemagazin und Handschellen am Gürtel fixiert waren, wurde die Funkstreifenjacke angezogen. Schwarzes, dickes Leder, die Jacke schwer….Ich fühlte mich für den Dienst gewappnet. Die Lederjacke als eine Art Schutzschild gegen die Angriffe, die einem Polizisten im Dienst begegnen konnten. Das waren beispielsweise Bisse von Durchgeknallten, Spritzennadeln von Junkies, abgeschlagene Biergläser…. Links in der Brustinnentasche der Notizblock…in der linken Außentasche das Funkgerät. Rechte Brustaußentasche die unvermeidlichen Lederhandschuhe…alles griffbereit und nah am Mann. Die kurze kurze Funkstreifenjacke wurde Sommer wie Winter , bei Sturm und Regen getragen, als einzige Ausnahme kam bei Temperaturen unter -10 Grad nach Absprache mit den Kollegen der Anorak zum Einsatz. Ich weiß nicht, wieviele tausend mal ich aus dem Funkwagen aus und eingestiegen bin. Diese Lederjacke verkörperte meine Art Polizist zu sein… präsent, kräftig, zupackend und gegebenenfalls kompromißlos. Nebenbei möchte ich erwähnen, daß ich bei bestimmt zwei Dutzend Tötungsdelikten als erster Polizist vor Ort war, zirka 600 Straftäter festgenommen und viele Demos und Sicherheitskonferenzen begleitet habe. Auch Fußballeinsätze auf der Giesinger Höhe bei 1860 München gehörten zu meinem Polizeialltag. Gerade bei den Fußballeinsätzen machte die Funkstreifenjacke was her…..Hooligans verstehen bei einem Dutzend so gekleideter Polizisten schnell, woher der Wind weht …. Nun neigt sich für mich eine Ära dem Ende entgegen. Meine Funkstreifenjacke hängt nicht im Schrank, sondern sie geht zurück in den Besitz ihres Herstellers ERDMANN-Lederbekleidung. Im Rückblick kann ich sagen: Es war a guade Zeit, damals in Haidhausen gleich gar, da ham die Schandis in der Funkstreifenjackn noch für Ruh und Ordnung gesorgt…..